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Du musst das Leben nicht verstehen…

Juni 26, 2009

Kognitiv gesteuert wie ich bin, will ich immer eines: Verstehen.
Kann man mir etwas oder einen Zusammenhang gut erklären, dann sehe ich vieles ein, bin Rücksichtsvoll, habe Nachsicht und bin definitiv Barmherziger – auch mit mir selbst…
Bleiben Erklärungen aus, dann beginnt für mich eine Herausforderung anderen und mir selbst gegenüber: Vertrauen.

Vertrauen, dass dennoch alles unter einer guten Hand passiert, auch wenn ich es selbst nicht ändern kann.
Und mich selbst loszulassen und anzuvertrauen, ihm unterstellen, zuzulassen an mir und mit mir weiter den Weg zu gehen, auch wenn ich gerade noch nicht weiß wohin er mich führt, und dieser Weg mit Entbehrungen und auch Leid gepflastert sein mag, trotzallem meine Hand in seiner spüren… festhalten. Nichtloslassen.
Du musst das Leben nicht verstehen. Festhalten an ihm. Er versteht es. Ihm vertrauen. Ihn lieben. Ihm glauben, ihm vertrauen, dass er auch liebt. Er um alles weiß. Das große Ziel vor Augen hat…

Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren,
nach neuen seine Hände hin.

(aus: Frühe Gedichte, von Rainer-maria Rilke)

5 Kommentare

  1. Hallo Antje, du schreibst echt schön und wir werden dadurch wunderbar erfrischt.
    Ich sehe die Lage etwas anderes als Rilke, denn verstehen ist doch sehr wichtig, nur muss man jede
    Einzelheit des Lebens nicht verstehen.


  2. Hallo Josef!
    Zuerst einmal: Schön, dass du hier liest und ein herzliches Willkommen auf diesem Blog.
    Du und jeder andere auch, darf es gerne anders sehen. Ich frage mich nur ob Rilke insgesamt nicht das selbe meint wie du auch… kann es vielleicht sein, dass er immer verstehen wollte (wie ich übrigens auch) aber an Fragen gescheitert ist und man im kindlichen Vertrauen die Blüten aufsammelt die man Geschenkt bekommt? Jeden Tag neu sich freut und das zu einer Grundhaltung des Lebens wird, weil man die Fragen auf bestimmte Lebensereignisse jemand größeren, Gott selbst, anvertrauen kann, darf und ruhig und gelassen spazieren gehen kann durch dieses Leben, weil er es versteht?
    Vielleicht meint ihr ja doch das Selbe…


  3. Ich denke noch wichtiger als verstehen ist gehen. Ich werde ihn nie verstehen, weder seine Pläne noch sein Wesen (auch wenn es wichtig ist und natürlich sich darum zu bemühen – und das werd ich auch nicht aufgeben). Aber auch wenn man ihn nicht versteht, kann man ihm nachgehen (oder -stolpern, -fallen, -humpeln, -kriechen, -rennen).


  4. Hallo Antje, Da hast du Recht. Ich habe einfach das Gedicht zu schnell durchgelesen. Es ist sehr positiv und Gott ehrend. Ja hier geht es um kindliches Vertrauen und Gottes Segnungen, wie die Natur, zu schätzen.
    Ja! Er freut sich über jeden neuen Tag und nimmst’s
    ruhig, gelassen und erwartet etwas wie ein Fest von dem Tag. Die jungen Jahren sollte wunderbar wie dies sein!

    Nur jetzt finde ich die erste Zeile nicht die allerbeste, denn Gottes Wort in Hosea 4.6 sagt: Mein Volk ist dahin, weil es ohne Erkenntnis ist. Denn du hast die Erkenntnis verworfen; darum will ich dich auch verwerfen, daß du nicht mehr mein Priester sein sollst. Du vergißt das Gesetz deines Gottes…
    Ich hätte persönlich geschrieben Du musst jede Einzelheit des Lebens nicht verstehen,
    dann wird es werden wie ein Fest!

    Gottes reichen Segen dir.


  5. @Quincy und Josef

    Das ist wohl bei gedichten und überhaupt bei geschriebenem so:
    Man verknüpft immer selbst etwas persönliches, individuelles damit… und das darf auch so sein.
    Man darf weiter daran spinnen, weiter denken… ja, letztendlich medietieren und spüren, dass sich etwas in einem bewegt.
    Der Dichter oder Schreiber gedenkt einer ganz bestimment Situation um die man nicht immer weiß und wir selber wissen auch, dass gesprochenes oft in uns etwas anders auslöst und wir mit etwas anders verbinden und in einer anderen Farbe erscheint. Auch ich habe bereits „interpretiert“.
    Interessant wäre wohl ihn selbst fragen zu können…
    aber es ist auch interessant was so ein Text in einem Auslöst…



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